Gehirn und Psyche

Spurensuche

"Welche Begabungen schlummern in Ihnen?"



Dieser Frage von Coach ¬ Anitta Maier (Foto oben) stellte ich mich am vergangenen Wochenende. Gemeinsam mit ihr und anderen begab ich mich auf Spurensuche.



"Was sind Talente?", so lautete der Titel des ersten Seminarzyklus. Nach einer theoretischen Einführung machten wir uns auf die Suche nach unseren "herausragenden" Begabungen.



In Einzelgesprächen wurde ein mehrseitiger Fragebogen durchgearbeitet, was ganz schön anstrengend war. Fragen zu sich selbst, so scheint es, sind am allerschwersten zu beantworten. Aber wir hatten ja professionelle Hilfestellung.



Am Ende des ersten Tages hatten wir neben unseren Begabungen auch die dazu gehörigen Fähigkeiten herausgearbeitet ... Den Kopf voller neuer Gedanken machten wir uns auf den Nachhauseweg.



Tags darauf starteten wir wieder Richtung Hegau, um die Entdeckungsreise zu unseren Talenten fortzusetzen. ... Eine Reise, die für Roy anscheinend so spannend war, dass er selbst in den Pausen noch weiter diskutierte.



Auf jeden Fall war das Seminar sehr erhellend und brachte viele überraschende Einsichten. Ich freue mich schon auf ¬ Teil zwei.


 

Ist unser Aussehen wichtiger als Worte?

Ja, es ist mal wieder Zeit für einen meiner "allseits beliebten" Einträge zum Thema "Gehirn und Psyche" ;-) Aber mal ehrlich, wen interessiert das heutige Thema etwa nicht?

Woran erkennen wir, wen wir vor uns haben? Eine interessante Antwort dazu lieferte der Informatiker und Computerkritiker Joseph Weizenbaum bereits 1966, als er das Programm ¬ Eliza entwickelte, das einen Psychotherapeuten immitieren konnte. Dieses Programm bestand den ¬ Turing-Test, d.h. die Nutzer konnten tatsächlich nicht unterscheiden, ob es sich um Antworten eines Menschen oder einer künstlichen Intelligenz handelte. Nur das Nachschauen, wer die Antworten gab, Software oder Mensch, brachte Gewissheit.

Das bedeutet, Sprache und Intelligenz alleine genügen nicht, um zu erkennen, ob es sich um einen Menschen handelt. Klar, nichts ist leichter, als mit Worten zu täuschen. Doch wie vertrauenswürdig sind Äußerlichkeiten?



Und siehe da, die Trefferquote liegt, z.B. in der Beurteilung der Mimik, bei ca. 90%. In weniger als einer halben Sekunde erkennen wir eine Person, ihr Geschlecht, Alter, Schönheit und charakterliche Grundzüge! Und wir irren dabei scheinbar selten. Je mehr wir in der Lage sind viele Merkmale gleichzeitig zu berücksichtigen, desto größer ist die Trefferquote. Durch gezielte Fragen können wir im Small Talk unser Urteil überprüfen.

Interessant ist auch, dass wir Menschen sympathisch finden, wenn Aussehen und Verhalten zueinander passen. Wir halten sie dann für offen und ehrlich und so entsteht Vertrauen.

Diese Erkenntnisse sind nun nicht gerade neu, doch ich finde, sie bekommen ihre ganz eigene Bedeutung, wenn wir unsere "neue virtuelle Welt" unter diesem Gesichtspunkt beleuchten. Woher weiß ich z.B., dass die freundliche Antwort-Mail eines Online-Shops nicht von einer Maschine generiert wurde? Wer sagt mir, ob die Mail eines Freundes wirklich von ihm stammt?

Das Gedankenexperiment von 1966 ist heute für jeden von uns Wirklichkeit geworden. Könnte es deshalb sein, dass die Verunsicherung durch technische Kommunikationsformen mit ein Grund dafür ist, dass der Schönheitskult immer mehr zu statt abnimmt? Denn wenn man der Wissenschaft glauben mag, verraten uns letztlich nur Äußerlichkeiten, mit wem wir es wirklich zu tun haben.





Da hilft also zukünftig nur eins: Ganz genau hinschauen!



(mit Auszügen und geliehenen Gedanken aus "Schön und gut? Der äußere Schein und die inneren Werte" von ¬ Dr. Frank Naumann, Philosoph und Kommunikationstrainer)

P.S.: Die Fotos habe ich im letzten halben Jahr mit PhotoBooth über meine iMac-Kamera aufgenommen.


 

Wie bitte?

Verwundert lese ich heute in ¬ Spiegel Online unter dem Titel "Deutsche sollen intelligenteste Europäer sein" folgendes:

"... andere Wissenschaftler glauben, dass das Gehirn nichts weiter sei als die menschliche Variante des bunten Federschmucks bei Vögeln: Es diene vor allem dazu, das andere Geschlecht zu beeindrucken und habe deshalb seinen Besitzern einen Vorteil bei der Fortpflanzung verschafft."

Na dann hat sich aber inzwischen viel verändert. Oder sind hier etwa nur die Männer gemeint. ;-)


 

Die zweite Identität – oder warum wir Geheimnisse brauchen

Ich bin ja im Geiste von "Transparenz und Offenheit in zwischenmenschlichen Beziehungen" erzogen worden. Nun lese ich, dass Geheimnisse nicht nur unmoralisch, destruktiv und ungesund sind, sondern dass ein autonomes Leben ohne sie kaum denkbar ist, denn sie schützen den Menschen vor zuviel Nähe.

Hier ein paar, für mich überraschende, aber durchaus nachvollziehbare Gedanken dazu:

"Geheimnisse sind für Menschen lebensnotwendig wie das Feuer und werden wie dieses gefürchtet ... beide können nähren oder verzehren," sagt Sissela Bok , Autorin von "Secrets". "Häufig wahrt man ein Geheimnis aus einem Grund, der einem selbst nicht bewusst ist: Man schweigt, um die Umwelt auf Abstand zu halten ... Ein Geheimnis hilft uns, uns selbst nicht zu verlieren und die Autonomie unserer Person zu wahren."

"Jeder Mensch braucht Geheimnisse für seine seelische Stabilität", meint Daniel Wegner, Professor in Harvard, "wir alle kennen Momente in unserem Leben, in denen wir das Gefühl haben, uns selbst in der Arbeit oder einer Ehe zu verlieren. In diesen Situationen ist es gut, wenn man auf ein Geheimnis zurückgreifen kann, um sich seiner Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu versichern."

"Das Bedürfniss nach einer zweiten Welt ist sehr stark," stellte die Soziologin Sherry Turkle (MIT) in ihren Studien fest. "Viele User des Internets geben sich eine völlig neue Identität. Sie wechseln Geschlecht, Alter und Beruf, um Probleme auszudrücken und Lösungen auszuprobieren, ohne die Konsequenzen fürchten zu müssen."

Eine "zweite Welt" brauchen wohl auch ganz besonders Paare. Der Soziologe Georg Simmel beobachtete: "Liebe hört auf, ein Vergnügen zu sein, wenn sie aufhört, ein Geheimnis zu sein." Die Paartherapeutin Evan Imber-Black bestätigt dies: "Paare, die keine Geheimnisse voreinander haben, kommen häufig zur Therapie, weil ihre Beziehung langweilig geworden ist." Haben zwei Menschen jedoch totale Geheimnisse voreinander, dann ist die Beziehung von Misstrauen geprägt, was sich negativ auswirkt. Konstruktive Geheimnisse dagegen schützen die Identität und stabilisieren Beziehungen.

Aber, nicht jeder Mensch ist in der Lage, über längere Zeit hinweg etwas Wichtiges zu verschweigen, denn es kostet viel Konzentration und Energie, ein Geheimnis zu wahren. Manche können die hohen mentalen Belastungen gut ertragen, andere nicht. Für alle aber gilt:
"Der Umgang mit Geheimnissen ist ein Hochseilakt im Zirkus des Lebens."


 

Wie ist das gemeint?

In einer Serie von Studien an der New York University wurde jetzt nachgewiesen, was ich schon seit langem vermutet habe:

Wer in E-Mails witzig sein möchte, sollte sich vorsehen. Die Empfänger erkennen Scherze, Ironie, Wut und Trauer (trotz Emoticons) deutlich seltener als in Gesprächen. Dabei gehen 90% der Schreiber davon aus, dass der Adressat die Gefühlsfärbung ihrer Botschaft erkennen werde.

Der Grund für diesen Irrtum ist vermutlich Egozentrismus. Der Schreiber weiß, wie er einen Satz meint und macht sich nicht klar, dass der Leser nicht über dieses Wissen verfügt.

Das elektronische Kommunikationsproblem wird von den Empfängern noch verschärft. Wie die Forscher herausgefunden haben, rechnen die nämlich nicht mit der Mehrdeutigkeit von E-Mails. Sie glauben, sie würden die beabsichtigte Bedeutung gut erkennen. Also Vorsicht, wer die sachliche Tonlage verlässt!

Noch mehr Missverständnisse gibt es natürlich beim Versenden von SMSe.

Und dabei gibt es doch schon so genug Kommunikationsprobleme – auch ohne die elektronische Post!!!


 

Ich mag dich – ich mag dich nicht?

Passend zu Weihnachten, hier ein paar Auszüge aus "Die Kunst des Schenkens" von Margit Mertens:



"Der Akt des Schenkens bildet die Basis unserer sozialen Beziehungen" schreibt Sophie Chevalier im Wissenschaftsmagazin "Gehirn und Geist". "Mit Hilfe von Geschenken knüpfen, pflegen oder kappen wir Kontakte." Freiwilliges Geben, Teilen und Schenken stabilisiert Beziehungen und hemmt Aggressionen. Ein Geschenk soll sagen, ich mag dich, du bist mir wichtig, ich freue mich, wenn du dich freust.

Warum schenken, wenn das Risiko jemanden zu enttäuschen oder enttäuscht zu werden, so hoch ist? Zumal es nach der Regel Geben, Nehmen und Zurückgeben erfolgt, es sich letztlich also um einen Geschenketausch handelt. Außerdem kann ein großer Teil der Menschen die benötigten Konsumgüter selbst erwerben. Nicht kaufen kann man jedoch die soziale Wertschätzung, die durch ein Geschenk übermittelt wird.

"Schenken ist Soziales Handeln par excellence, denn es ist auf andere gerichtet, kommt aber meist beiden zugute", sagt Schenkforscher Alfred Adler. "Wir sind auf der Suche nach Anerkennung und die lässt sich mit dem richtigen Geschenk sogar wortlos übermitteln. Ist das Schenken geglückt, haben beide Anerkennung erfahren."

Die Freude über ein Geschenk ist vor allem aber auch eine Frage der Hirnchemie. Die mit einem Geschenk verbundene Wertschätzung sorgt wiederum für die Produktion von Oxytocin (Anm. von mir: kommt das vielleicht jemand bekannt vor? ;-)), welches als Schlüsselhormon für Paarbindung, mütterliche Fürsorge, Vertrauen, Sexualverhalten sowie soziale Bindungsfähigkeit gilt.

Um zu prüfen, ob ein Präsent perfekt ist, wurde jetzt eine Formel entwickelt:
PPI = T + G + S + V + B

- Zeit beim Suchen (T, 0 – 5 Punkte)
- Interesse des Beschenkten am Gebenden (G, 0 – 4 Punkte)
- Nützlichkeit des Geschenkes (S, 0 – 3 Punkte)
- Wert (V, 0 – 1 Punkte)
- Umtauschmöglichkeit (B, 0 – 1 Punkte)

Beträgt die Summe der Faktoren mehr als zwölf, ist das Geschenk perfekt, bei unter vier Punkten pure Geldverschwendung.

Es braucht Fantasie, Feinfühligkeit und Wachsamkeit über das ganze Jahr, um die passenden, individuell gewählten Geschenke zu finden, die der jeweiligen Beziehung entsprechen.


Meine Meinung dazu:
- Von der Formel bin ich nicht so sehr begeistert, obwohl sie tendenziell sicher richtig ist.
- Meist hält man es mit den Geschenken eh so, wie man es zuhause vorgemacht bekommen hat.
- Wenn man sich die Schenkerei und die damit verbundenen Erwartungen und Entäuschungen aber mal bewusst gemacht hat und mit den jeweilig Betroffenen genügend diskutiert hat, findet man meist eine akzeptable Lösung.

Und zu guter Letzt:

"Man kann auch Zeit schenken. Die Zeit für einen Brief zum Beispiel. Die Zeit sorgt, dass diese Zeit ein immer selteneres und vornehmeres Geschenk wird."
Graff

"Ein freundliches Wort kostet nichts und ist doch das schönste aller Geschenke."
Daphne du Maurier


 

Vertrau mir! – Das Treuehormon Oxytocin

Hirn und Psyche – welch ein interessantes Thema! Und das nicht nur für Werber und Kommunikationsexperten, sondern auch für Liebende, Mütter, Mediziner, etc. Zum Beispiel wird das Treuehormon Oxytocin normalerweise produziert, "wenn wir uns streicheln oder Sex haben". Es ist auch verantworlich dafür, ob wir jemandem vertrauen oder nicht.

Und wenn künstliches Oxytocin über die Nase in den Körper gelangt, steigert es beim Menschen nachweislich die Bereitschaft, Verträge zu unterzeichnen, Geschäfte abzuschließen, Geld zu investieren und die Risikofreude wächst deutlich. Da kommen sicherlich ganz neue Manipulationsstrategien der Werbebranche auf uns zu.

Mehr darüber gibt es nachzulesen unter: ¬ ZDF – wissen und entdecken. Wie Hormone unser Leben beeinflussen

Und so bleibt für mich weiterhin spannend, die Beantwortung der Frage, nach der Selbstbestimmung des Menschen.


 




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