Birgit | 23.12.2005

Ich mag dich – ich mag dich nicht?

Passend zu Weihnachten, hier ein paar Auszüge aus "Die Kunst des Schenkens" von Margit Mertens:



"Der Akt des Schenkens bildet die Basis unserer sozialen Beziehungen" schreibt Sophie Chevalier im Wissenschaftsmagazin "Gehirn und Geist". "Mit Hilfe von Geschenken knüpfen, pflegen oder kappen wir Kontakte." Freiwilliges Geben, Teilen und Schenken stabilisiert Beziehungen und hemmt Aggressionen. Ein Geschenk soll sagen, ich mag dich, du bist mir wichtig, ich freue mich, wenn du dich freust.

Warum schenken, wenn das Risiko jemanden zu enttäuschen oder enttäuscht zu werden, so hoch ist? Zumal es nach der Regel Geben, Nehmen und Zurückgeben erfolgt, es sich letztlich also um einen Geschenketausch handelt. Außerdem kann ein großer Teil der Menschen die benötigten Konsumgüter selbst erwerben. Nicht kaufen kann man jedoch die soziale Wertschätzung, die durch ein Geschenk übermittelt wird.

"Schenken ist Soziales Handeln par excellence, denn es ist auf andere gerichtet, kommt aber meist beiden zugute", sagt Schenkforscher Alfred Adler. "Wir sind auf der Suche nach Anerkennung und die lässt sich mit dem richtigen Geschenk sogar wortlos übermitteln. Ist das Schenken geglückt, haben beide Anerkennung erfahren."

Die Freude über ein Geschenk ist vor allem aber auch eine Frage der Hirnchemie. Die mit einem Geschenk verbundene Wertschätzung sorgt wiederum für die Produktion von Oxytocin (Anm. von mir: kommt das vielleicht jemand bekannt vor? ;-)), welches als Schlüsselhormon für Paarbindung, mütterliche Fürsorge, Vertrauen, Sexualverhalten sowie soziale Bindungsfähigkeit gilt.

Um zu prüfen, ob ein Präsent perfekt ist, wurde jetzt eine Formel entwickelt:
PPI = T + G + S + V + B

- Zeit beim Suchen (T, 0 – 5 Punkte)
- Interesse des Beschenkten am Gebenden (G, 0 – 4 Punkte)
- Nützlichkeit des Geschenkes (S, 0 – 3 Punkte)
- Wert (V, 0 – 1 Punkte)
- Umtauschmöglichkeit (B, 0 – 1 Punkte)

Beträgt die Summe der Faktoren mehr als zwölf, ist das Geschenk perfekt, bei unter vier Punkten pure Geldverschwendung.

Es braucht Fantasie, Feinfühligkeit und Wachsamkeit über das ganze Jahr, um die passenden, individuell gewählten Geschenke zu finden, die der jeweiligen Beziehung entsprechen.


Meine Meinung dazu:
- Von der Formel bin ich nicht so sehr begeistert, obwohl sie tendenziell sicher richtig ist.
- Meist hält man es mit den Geschenken eh so, wie man es zuhause vorgemacht bekommen hat.
- Wenn man sich die Schenkerei und die damit verbundenen Erwartungen und Entäuschungen aber mal bewusst gemacht hat und mit den jeweilig Betroffenen genügend diskutiert hat, findet man meist eine akzeptable Lösung.

Und zu guter Letzt:

"Man kann auch Zeit schenken. Die Zeit für einen Brief zum Beispiel. Die Zeit sorgt, dass diese Zeit ein immer selteneres und vornehmeres Geschenk wird."
Graff

"Ein freundliches Wort kostet nichts und ist doch das schönste aller Geschenke."
Daphne du Maurier





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