“Was ist das bloße Leben?” …
... heißt das zweite große ¬ Leitmotiv der diesjährigen Documenta.
Das Dritte: Was tun?
Hierbei geht es um Vermittlung von Kunst, ein längst überfälliges Thema, wie ich finde.
Wir buchen eine Führung durch die Documenta-Halle!

Anatoli Osmolovsky, Bread
Und haben Glück. Unsere geschulte "Vermittlerin" hält keinen Vortrag, sondern schickt uns auf Erkundungssreise. Sie animiert uns zum Suchen, Sehen, Raten und Beurteilen. Sie erzählt etwas über die Künstler und die Entstehung der Werke. Oder gibt nach etlichen Interpretationsversuchen unsererseits den Titel eines Werkes bekannt - wie z.B. hier: Bread (Brot)
Juan Davila, The Lamentation: A Votive Painting
(Mit Hinweisen auf Folter und Armut liefert Davila in seinen Bildern Kritik an Politik und Klassengesellschaft in Lateinamerika)
Der chilenische Künstler ¬ Juan Davila ist anscheinend einer der ganz großen Stars. Er stellt insgesamt 12 Arbeiten aus.
In unserer Gruppe empfinden so ziemlich alle dasselbe beim Betrachten seines Bildes: Ekel und Abscheu! Sieht oder sah so etwa sein "bloßes Leben" aus?
Iñigo Manglano-Ovalle, Phantom Truck The Radio
(Nachbildung eines originalgroßen mobilen Labors zur Herstellung biologischer Waffen)
Emotionale Schwerstarbeit auch hier (Foto oben): Der erste Raum ist leer, in ein helles, gleißendes, rot-orange getaucht und ein unangenhmer Ton schwirrt durch die Luft, der meinen Ohren weh tut. Der nächste Raum ist schwarz. Und doch kann man irgend'was erkennen - aber was genau? Es wirkt bedrohlich. Schnell wieder raus hier.
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Sheela Gowda, And…
... Später, im Fridericianum, wird's etwas angenehmer. Ich gehe weiter der Frage "der absoluten Verletzlichkeit und Ausgesetztheit menschlichen Lebens" nach. Denn, "wie in der Sexualität können absolute Verletzlichkeit und unendliche Lust unbehaglich dicht beieinander wohnen." sagen die Documenta-Macher. Wie wahr!
Iole de Freitas, Ohne Titel
(Orte des Durchschreitens und Verweilens)
Ich komme wieder auf die dritte Frage zurück: Was tun? Wie wird ästetische Bildung vermittelt?
"Mitunter gelingt es der Kunst, die Trennung zwischen schmerzvoller Unterwerfung und jauchzender Befreiung vergessen zu machen."
Für mich stellt sich jetzt eher die Frage, wie groß ist meine Empathie und Phantasie.
Vermutlich groß genug, denn ich kann nicht genug davon kriegen - von diesem bloßen Leben.
Documenta XXII? Da lang!
Große Anerkennung unter Designern findet das inzwischen preisgekrönte Leitsystem der Documenta. Ein Jahr lang arbeiteten Achim Reichert und Marco Fiedler von ¬ Vier5 (¬ Katja's Studienkollegen) am Konzept und der Umsetzung.
Von vornherein sollte es nur für 100 Ausstellungs-Tage halten.
Über die Lesbarkeit der selbstentwickelten Schrift kann man sicher streiten. Die großen Schilder sollen eben aussehen wie flüchtige Notizen, die man sich auf einen Zettel notiert - und dann hochgezogen hat.
Die Info-Container sind ebenfalls "voll gekritzelt", genau wie einige Straßenbahnen und etliche Wände.
Die Idee, überall Treffpunkt-Säulen aus Styropor aufzustellen, finde ich sehr gut. Die zunehmenden Gebrauchsspuren sind übrigens erwünscht und Teil des Konzepts.
Dass mein Neffe (9), der viel liest, die Schrift kaum entziffern kann, ist wohl nicht so wichtig. Vermutlich sind das nicht die Ansprüche an ein Leitsystems auf der Documenta, oder? Denn schließlich darf man sich doch ruhig mal verlaufen, wenn man der Kunst auf der Spur ist!
Documenta 12 - Angekommen!
Die Documenta in Kassel ist eine der bedeutendsten Austellung von Gegenwartskunst. Alle fünf Jahre findet sie weltweit große Beachtung – auch bei mir ;-)
Dieses Jahr ist eines ihrer ¬ Leitmotive: "Ist die Moderne unsere Antike?" Hm???
Es zieht mich zum Kulturbahnhof, denn dort steht meine absolute Lieblingsskulptur: Der "Himmelstürmer" ¬ Man walking to the sky von Jonathan Borofsky. Sie fand bei der 9. Documenta (1992) nicht nur bei mir großen Anklang, sondern anscheinend auch bei vielen Kasseler Bürgern. Die Stadt kaufte sie und seither schreitet "der Mensch" vor dem Kasseler Kulturbahnhof himmelwärts.
Ein typisches Merkmal der Documenta ist ja, manchmal weiß man nicht so recht, ob irgendeine Installation ein Kunstwerk ist - oder nicht ...
... wie z.B. dieses Objekt (Foto oben), das wir im Bahnhof vorfinden. Die Meinungen darüber gehen auseinander, ...
Die Beurteilung "Kunst oder nicht" fällt hier schon leichter. Aber leider gehört diese Karrikatur zu einer separaten Ausstellung und hat nichts mit der Documenta zu tun.
Na, diesen gefällten Baum sollte die Stadt aber nicht einfach so rumliegen lassen. Was für eine Nachlässigkeit, wo doch so viele Gäste in der Stadt sind.
Upps, Beuys!
Ohje, also nichts wie hoch zur Wilhelmshöhe, um den "antiken" Herkules zu bestaunen, der gerade seine letzte Gigantenschlacht siegreich beendet hat.
Doch das Wahrzeichen von Kassel ist verhüllt. Lässt hier etwa ¬ Christo grüßen? Nein, es wird nur gerade restauriert.
Die Irritation ist komplett: Was bitte sollen Fotos eines Schiffwracks im Kaskadenteich?

Wir klettern weiter die steilen Treppen nach oben, um noch mehr Bilder zu betrachten: Menschen bei ihrer Arbeit.
Die vorletzte Tafel zeigt eine Geburt, die letzte einen Totengräber.
Und plötzlich strömen von überall Menschen her, die zahlreiche Busse kurz zuvor oben ausgespuckt haben. Sie sind gekommen, um ein Spektakel zu sehen: Der Riese Encelados speit einen Strahl Wasser zum Sieger Herkules hoch, kann diesen aber nicht erreichen und so fließt das Wasser über die Kaskaden ins Tal.
Götterarbeit hier – Menschenarbeit dort. "Ist die Moderne unsere Antike?" macht langsam Sinn.
Ich bin auf der Documenta XXII angekommen.
Segways in Kassel gesichtet
In Kassel, auf dem Weg zur großen "Kunstschau", kreuzten diese zwei netten Polizisten meinen Weg.
Na, so was ähnliches hatte ich doch schon mal gesehen, oder? Am Google-Stand auf dem DLD 07 ... und sogar ausprobiert ... und sehr viel Spaß beim "Slalom um die Hütchen"-Fahren gehabt!
Interessiert verwickelte ich also die beiden Herren in ein Fachgespräch:
Das Fahrzeug ist ein ¬ Segway und fährt ca. 20 km/h. Während der ¬ Documenta testet die Kasseler Polizei den Einsatz solcher Zweiräder.
Nein, bislang haben sie noch keinen richtigen Unfall damit gehabt. Nur kleine Rempler und Umfaller, als sie das Fahrzeug noch nicht so gut beherrschten.
Ja, es macht Spaß damit zu fahren - obwohl es natürlich nicht mit anderen PS-starken "Zweirädern" zu vergleichen ist.
Sind sie nicht süß?

Mehr über die Documenta gibt's in den nächsten Tagen zu lesen und zu sehen.
Just schaue ich hier heute drauf und stelle fest, dass der letzte Eintrag genau…
Nadia zu: WG-Leben mit Bojana
Winter-Blog-Pause??
Nadia zu: WG-Leben mit Bojana
Sommer-Blog-Pause???
Birgit zu: Morgen geht's nach Rovinj ...
Das liegt daran, dass ich mir nen neuen Blog einrichten will ... aber auch dazu…
Manu zu: Morgen geht's nach Rovinj ...
Schön, mal wieder was Aktuelles von Dir zu lesen :-)
Ich wünsche Euch…
Sarah zu: Morgen geht's nach Rovinj ...
Hi Birgit, viel Spaß und eine gute Fahrt! Liebe Grüße Sarah
anja.h zu: Frohe Weihnachten!
Was ist das denn fuer ein Bild?
Ich seh nen Weihnachtsbaum in schwarz auf…

Vancouver (CAN)




