Tout vendu!
Am letzten Wochenende war Weihnachtsmarkt - und alles strömte nach Herrenberg. Auch unsere französischen Freunde ¬ Danielle Pontvianne und Michel Morel aus Tarare.

Beide hatten wieder einmal nicht nur auf ihrem Markt-Stand alle Hände voll zu tun, sondern auch noch etliche Termine wahrzunehmen: Mit dem "Jumelage"-Komitee und dem Gemeinderat. So auch am Samstagabend.

Daniell übertrug deshalb meinem Bruder Ralph und mir die Verantwortung für einige Stunden ...

... während Beaujolais Winzer Michel (Foto links) an Rüdiger und Mike übergab. Ein bisschen mulmig war ihm dabei schon, allerdings völlig zu Unrecht.

Denn kaum hatten sie den Platz hinter dem Tresen eingenommen und Mike sein bestes "Winzer-Französisch" ausgepackt, schon strömten Kaufwillige in Scharen herbei.

Fast alle Weinflaschen wurden von den Beiden an den Mann bzw. die Frau gebracht, so dass Michel bereits am nächsten Mittag total ausverkauft war.
Tout vendu, das gab's noch nie!
Adieu Mathieu

Der Hauptgrund für den letzten Besuch von Danielle Pontvianne war ausnahmsweise einmal nicht der Gemeinderat, das Partnerschaftskomitee oder der Weihnachtsmarkt. Nein, dieses Mal begleitete sie ihren tennisbegeisterten Enkel Mathieu (12) nach Herrenberg, denn der wollte gerne am Sommercamp des TC Herrenberg teilnehmen.

Am ersten Trainingsmorgen brachte ich Mathieu (rechts) zusammen mit seinem Freund Leon (links) auf die Anlage. Da Mathieu nicht nur Tennisanfänger war, sondern auch kein Wort Deutsch sprach, sollte ich etwas beim Übersetzen helfen.

Die französische Zählweise war mir ja bekannt: quinze-Ã, égalité, avantage, etc. Doch die erste Frage von Trainer Siggi lautete: "Was heißt eigentlich Vor- und Rückhand?" Ups. Mathieu verstand die Zeichensprache und übersetzte: "Coup droit et revers". Aha! Das Training konnte beginnen.

Bereits drei Tage später beherrschte Mathieu nicht nur die "eingesprungene Rückhand", sondern auch einen Großteil seiner Gegner. Er hatte so großen Spaß am Tennisspielen gefunden, dass er kurzerhand seinen Aufenthalt in Herrenberg um eine Woche verlängerte, bei Cheftrainer Andrey einen neuen Schläger erwarb und Mitglied beim TCH wurde. Seine Oma Danielle und Tante Carole reisten ohne ihn zurück nach Tarare.

Nunmehr nur noch von Deutschen umgeben, gab es für ihn auch nur noch eine Lektüre: Langenscheid Französisch-Deutsch. Wenn er also nicht gerade Tennis spielte oder mit Leon und seinen Kumpeln kickte, dann schlug er Wörter nach, schrieb sie sich auf und lernte sie auswendig - bis spät in die Nacht.
Die Verlängerungswoche verging wie im Flug und Pläne für weitere Tenniswochen in Herrenberg wurden bereits geschmiedet.

Und weil's so schön war, will Mathieu nächstes Jahr gleich auch noch ein paar Tennisfreunde aus Tarare mitbringen. "Avantage jumelange!" Auch im GÄUBOTE freute man sich darüber.
Adieu Mathieu - Ã la prochaine fois.
Patron, une chanson, une chanson!
Am Ende der Weinernte wird auf dem Hof von Michel noch mal so richtig gefeiert. Hier ein paar Fotos davon:

Bereits am Nachmittag sind die letzten Trauben eingefahren.

Anschließend wird geschrubbt und gesäubert. Zuerst die Eimer und Bottiche, dann die blau gefärbten Hände.

Michel bietet einen ersten Traubensaft zum Probieren an,

wobei er selbst ausnahmsweise mal ein kühles Schönbuch-Weizen vorzieht.

Langsam kommt der Hunger. Der Tisch wird in den Hof gestellt und eingedeckt.

Das Essen lässt auf sich warten. Das macht aber nichts, alle sind gut gelaunt und haben viel zu reden.

Doch dann wird aufgetragen. Wir essen stundenlang und stoßen an - auf die Küche, den Wein, das Wetter, den Patron, die Deutschen, das Leben und die Liebe ...
... und singen und singen ... une chanson! Une chanson! Une chanson! Jeder muss eins anstimmen, selbst der Patron.

Und der holt eine Flasche nach der anderen aus seinem Weinkeller. Das Französisch der Anwesenden wird immer schwerer zu verstehen, dafür läuft's bei mir umso besser.

Unter Teutates Sternenhimmel feiern die Gäste noch bis in die Morgenstunden.
Weinlese in Moiré
"Le match" war nicht der einzige Grund, mal wieder nach Frankreich zu fahren. Schließlich waren da ja auch noch unsere Freunde in Tarare und die Weinlese im Beaujolais - und die lag gerade in den letzten Zügen.

Mein Onkel Uli (Foto unten: links) fuhr mit uns bis nach Moiré, zu Michel, um zu helfen.

Nach einem Tag schmerzte ihm aber bereits jeder Muskel und auch sein Rücken. Die anderen Erntehelfer - hauptsächlich Studenten - erklärten: die ersten drei Tage seien höllisch, den Vierten erträgt man schon so la la ... und von da an geht's.

Aber das Wetter war herrlich und die Stimmung ebenso. Es wurden fleißig die Trauben geschnitten und trotzdem viel gesungen und gelacht.

Am späten Nachmittag ging's auf dem Hof weiter. Die Ernte wurde in die Tanks gefüllt ...

... und wer wollte, durfte Trauben treten. Auch wenn Marion hierbei offensichtlich viel Spaß hatte, gehört diese Aufgabe anscheinend zu den körperlich anstrengensten - Uli hat darauf verzichtet.

Nach der Dusche wartete dann das wohl verdiente Essen auf alle Hungrigen. Und wie es sich für Frankreich gehört, wurde ein mehrgängiges Menu serviert - zubereitet von Anne, der großartigen Köchin!

Bevor er wieder an die Arbeit ging, gönnte sich Michel nach dem Essen fünf Minuten, um mit seiner Frau Anne den nächsten Tag zu besprechen. Während der Lese kommt er gewöhnlich gerade mal zu drei Stunden Schlaf pro Nacht.

Für alle anderen aber war Feierabend und Baptiste (von La Reunion) packte seine Gitarre aus. Morgen sollte ja schon der letzte Erntetag sein, da konnte man auch mal mit etwas weniger Schlaf auskommen.
Habiter à la campagne
Wenn man auf der Route N 7 von Villefranche in Richtung Rouen fährt, biegt man irgendwann rechts nach ¬ Bagnols ab, durchquert dieses sehenswerte Örtchen und schon ist man in Moiré.
Gleich im ersten Haus auf der rechten Seite wohnen unsere Freunde Michel und Anne Morel. Dahinter wohnt Klaus-1 mit Familie, irgendwo weiter oben Klaus-2 und links von der Straße steht ein "Chateaux", das seit einem Jahr von einem jungen englischen Künstler-Ehepaar bewohnt wird. Er ist ¬ Maler, sie Opernsängerin. Beide sind wohl recht bekannt.
Bei Morels im Hof trifft sich die Nachbarschaft fast täglich. Ein Gläschen Wein, Käse, Salami, Baguette, ... - und schon wird ausgemacht, wo man sich später zum Essen trifft – laut Anne, manchmal sieben mal die Woche.
Samstags fahren die Männer am späten Nachmittag gemeinsam ins benachbarte Le Bois-d'Oingt, um dort Lotto zu spielen und einen oder zwei Pastisse (Ricard!) zu trinken.
Letzten Samstag waren mein Bruder Ralph und ich zu Besuch bei Michel und dadurch automatisch in den normalen Tagesablauf integriert.

Abends waren dann alle bei Klaus-1 eingeladen - natürlich zum Essen. Und typisch französisch begannen wir mit einem Aperitif, während wir auf die restlichen Gäste warteten. Dann aßen, bzw. redeten wir stundenlang und endeten mit Nachtisch, Käse, Kaffee und Eau de vie.
Um Mitternacht feierte Sängerin Louise ihren Geburtstag. Der ganze Abend verlief wie gesagt sehr unterhaltsam, es wurde hauptsächlich Französisch, Englisch und etwas Deutsch geredet – vor allem aber viel, was mir natürlich nicht allzu schwer fiel ;-)
Baisers de la France

Wenn der Anlass nicht so traurig wäre, würde ich sagen, es ist mal wieder richtig schön hier.
Mein Bruder Ralph und ich sind bei unserer französischen Familie Pontvianne in Pontcharra.
Gestern wurde Janot beerdigt.
Weinberge zu verkaufen
Wenn man von Herrenberg aus in unsere Partnerstadt Tarare fährt, durchquert man ungefähr zwischen Beaune und Dijon eines der besten und teuersten Weinanbaugebiete der Welt, die Bourgogne (dtsch: Burgund). Hier ist die Heimat des Chablis (Weißwein). Im nördlichen Teil der "Côte d'Or" wird dann hauptsächlich der Pinot Noir für Rotwein angebaut. Jeder Ort hat hier seine eigene Appellation d'Origine Contrôlée (AOC), gespickt mit Premier- und Grand-Cru-Lagen. Ich kann leider nicht genau erklären, was das ist, außer, dass diese Weine besonders teuer sind.

Laut meinem Bruder, der letztes Wochenende als mein Reiseführer fungierte ;-), wächst der beste Wein immer an der Grenze, an der vom Klima her überhaupt noch Wein angebaut werden kann. Die Rebe muss ständig kämpfen, um zu überleben, und wird deshalb wohl besonders stark – oder so ähnlich. Klar, Sonne allein macht auf jeden Fall noch lange keinen großen Wein aus.

Erstaunlicherweise zählt auch der als eher minderwertig eingestufte Beaujolais noch zum Burgund, obwohl er absolut anders schmeckt und ja größtenteils schon in der südlich angrenzenden Region Rhône-Alpes liegt.

Unser Freund Michel Morel hat ja vor ein paar Jahren seinen Manager-Job hingeschmissen und gegen den eines Beaujolais-Winzers eingetauscht. Zusammen mit seiner Frau Anne widmet er sich seither dem Weinanbau in seinem Heimatdorf Moiré. Leider ist in den letzten Jahren der Markt für französischen Wein total eingebrochen. D.h., viele Weinbauern kämpfen ums Überleben und etliche haben schon aufgegeben. Weinberge bekommt man im Beaujolais derzeit quasi "nachgeschmissen". Uns wollte er gleich einen andrehen, doch was soll ich damit anfangen, ich schaff ja noch nicht einmal meinen Garten in Schuss zu halten! ;-)

Um nach Moiré zu gelangen muss man zuvor durch das kleine Nachbardorf Bagnols fahren und dort an dessen berühmten ¬ Château vorbeikurven. Es beherbergt eines der feinsten Hotels Frankreichs, das im 13. Jahrhundert erbaut und im 18. Jahrhundert von Engländern renoviert wurde.
Und immer noch scheinen Engländer das ¬ Pays des Pierres Dorées zu lieben. In Michels 200-Seelendorf wohnen aber nicht nur 2 englische Künstler, sondern auch 3 Deutsche, die es dorthin verschlagen hat.

Einer davon, Klaus, hängt viel bei den Morels rum. So verpasste er natürlich auch nicht das frisch gebraute badische Bier, dass Ralph als Gastgeschenk mitgebracht hatte. Im Hintergrund sieht man übrigens die Pierres Dorées, die goldene Steine, die das Aussehen der Dörfer in dieser Gegend prägen.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher nach Oingt, das ist wirklich ein besonders schönes Dörfchen. Leider kann ich diesen Namen nicht aussprechen. Aber sicher ist es ein Ort, an dem man schon gerne einen Weinberg hätte, oder nicht?
Où est le Mont Blanc, s’il vous plait?

Von Vindry (bei Tarare) aus kann man bei guter Sicht den Mont Blanc sehen – behauptet auf jeden Fall die Familie Pontvianne. Mein Bruder Ralph, der Skeptiker, zu dessen Hobbys "sich in Landkarten vergraben" gehört, bezweifelte das am Wochenende doch sehr.

Seiner Meinung nach sieht man zwar alle möglichen Massive vom Frühstückstisch unserer französischen Familie aus, aber den mindestens 200 km entfernten Mont Blanc? Fabienne konnte ihn jedenfalls nicht überzeugen.

Also musste zuerst einmal geklärt werden, wo überhaupt Norden und Süden ist. Alain und Mathieu waren ihm da gerne behilflich. Daraufhin studierte er verschiedene Karten, verglich die Hügel miteinander, fertigte eine Panorama-Skizze an und schaute ständig in die Ferne.

Ich hingegen fand auch den Blick in die entgegengesetzte Richtung recht ansprechend und höchst interessant.

Zur Not konnte man sich ja jederzeit einfach wieder umdrehen.

Aber die Sicht war einfach zu schlecht, der endgültige Beweis, ob man vom Beaujolais aus den fast 5000 Meter hohen Mont Blanc tatsächlich sehen kann, konnte leider nicht erbracht werden.
Da bleibt uns nichts übrig, wir müssen wohl noch öfters nach Tarare bzw. Vindry fahren!
Just schaue ich hier heute drauf und stelle fest, dass der letzte Eintrag genau…
Nadia zu: WG-Leben mit Bojana
Winter-Blog-Pause??
Nadia zu: WG-Leben mit Bojana
Sommer-Blog-Pause???
Birgit zu: Morgen geht's nach Rovinj ...
Das liegt daran, dass ich mir nen neuen Blog einrichten will ... aber auch dazu…
Manu zu: Morgen geht's nach Rovinj ...
Schön, mal wieder was Aktuelles von Dir zu lesen :-)
Ich wünsche Euch…
Sarah zu: Morgen geht's nach Rovinj ...
Hi Birgit, viel Spaß und eine gute Fahrt! Liebe Grüße Sarah
anja.h zu: Frohe Weihnachten!
Was ist das denn fuer ein Bild?
Ich seh nen Weihnachtsbaum in schwarz auf…

Vancouver (CAN)




